Wann lohnt sich ein Elektroauto?

Entwicklung der Marktanteile alternativer Antriebe in Prozent
Patrick Ineichen

Patrick Ineichen

CEO und Partner der procorp GmbH

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Beim Neuwagenkauf treten bei Firmenflotten Umweltaspekte immer stärker in den Vordergrund. Fördermassnahmen für alternative Antriebe und energieeffiziente Fahrzeuge, Nachhaltigkeitsaspekte in der Firmenstrategie und die stetig wachsende Modellauswahl erleichtern die Entscheidung. Aber nach wie vor bestehen Unsicherheiten, ob man mit alternativen Antrieben, wie Elektrofahrzeugen, in der Flotte auch finanziell gut fährt und wann der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen ist.

Neuzulassungen Elektrofahrzeuge – Prognosen und Realität

Dass Elektrofahrzeuge im Kommen sind, zeigen die zunehmenden Immatrikulationen innerhalb der letzten Jahre. Betrug im Jahr 2000 in der Schweiz der Bestand an Elektrofahrzeugen nur rund 700 Stück, erhöhte er sich bis 2020 auf über 43’000 Stück. Gemessen am Gesamtbestand aller Personenwagen in der Schweiz macht dies inzwischen ein knappes Prozent aus.

Bestand PW gesamt und nach Treibstoffart

In der «Roadmap Elektromobilität 2022» der Bundesämter für Energie und Strassen ist das Ziel, dass der Anteil reiner Elektrofahrzeuge an den neu zugelassenen Personenwagen in 2022 fünfzehn Prozent ausmachen sollte. Aktuell liegt er bei knapp 6%. Hier ist anzumerken, dass im Jahr 2020 wohl pandemiebedingt deutlich weniger Fahrzeuge immatrikuliert wurden und dies auch die Prognosen für die Elektrofahrzeuge betrifft.

Entwicklung der Marktanteile alternativer Antriebe in Prozent

Betrachtet man die Verteilung innerhalb der alternativen Antriebe, war der Zuwachs an Hybrid-Fahrzeugen in der Schweiz gesamthaft am höchsten. 

Wie umweltfreundlich ist Elektro wirklich?

Eine Studie des Paul Scherrer Instituts im Auftrag des Bundesamts für Energie bezieht in den «ökologischen Reifenabdruck» die gesamten Treibhausgasemissionen des jeweiligen Fahrzeugs – in der Herstellung und im Betrieb – mit ein. Das Fazit der Studie von Brian Cox und Christian Bauer ist dabei ganz klar: Elektroautos sind in der Herstellung weniger umweltfreundlich als konventionelle Antriebe. Bezogen auf die Nutzungsdauer zeigt sich aber ein anderes Bild: zwischen 50’000 und 100’000 gefahrenen Kilometern gleiche sich die Schadstoff-Bilanz wieder aus. Auf lange Sicht seien Elektroautos die umweltfreundlichste Option – würden sie mit Ökostrom betrieben, umso mehr.

Und wie sieht es mit den Kosten aus?

Betrachtet man die finanziellen Aspekte ergibt sich ebenfalls eine interessante Konstellation. Das Beispiel betrachtet die TCO – Total cost of ownership/Gesamtkosten – von drei Kleinwagen, davon zwei Elektrofahrzeuge und ein Benziner, im Hinblick auf die Laufleistung. Bei geringen Laufleistungen schneidet der Verbrenner im TCO günstiger ab als beide Elektrofahrzeuge. Ab einer Laufleistung von 20’000 Kilometern ändert sich das Bild bereits: einer der beiden Stromer weist ab dieser Laufleistung den günstigeren TCO auf.

TCO Elektro mit Treibstoff

Berechnet man den TCO ohne Treibstoffkosten, liegt der Wagen mit dem Verbrennungsmotor konstant unter den TCO der beiden Elektrofahrzeuge. Dies zeigt: Elektrofahrzeuge zahlen sich auf der Kostenseite ab mittleren bis höheren Laufleistungen aus. Denn der Elektroantrieb erweist sich zwar bei der Anschaffung noch als teuer, im Unterhalt und vor allem bei den Treibstoffkosten schneidet er aber deutlich besser ab als Verbrenner.

TCO Elektro ohne Treibstoff

Kalkuliert man mit ein, dass die Preise für Lithium-Ionen-Batterien in den vergangenen zehn Jahren um 87% gesunken sind und sich dieser Abwärtstrend fortsetzen wird, könnte von einer weiteren Senkung der Anschaffungskosten ausgegangen werden – was sich auch im TCO zeigen wird.

Ist die Reichweite noch ein schlagkräftiges Argument?

Zu geringe Reichweite ist ein häufig angeführtes Argument, nicht auf einen Elektroantrieb zu wechseln. Gemäss dem letzten «Mikrozensus Mobilität und Verkehr» von BFS und ARE liegt die durchschnittliche Tagesdistanz, die mit dem motorisierten Individualverkehr (hier meist mit dem Auto) zurückgelegt wird, bei knapp 25 Kilometern. Natürlich verbergen sich hinter diesem Durchschnittswert kurze und lange Autofahrten.

Doch die Technik verbessert sich laufend und so hat sich der Mittelwert der Reichweiten in den vergangenen 6 Jahren fast verdreifacht (von 127 km auf 331 km). Geht man davon aus, dass sich mit optimierter Batterietechnik auch die Ladezeiten verkürzen, könnte die Reichweite künftig für nur wenige Autofahrende nicht genügen, um ihre notwendigen Strecken zu bewältigen. Dem könnte mit mehr Schnellladestationen begegnet werden.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Seit 2012 hat die Modellpalette an alternativ angetriebenen PWs von elf auf über 118 Modellvarianten in 2020 erweitert.  Bis 2025 sind über 330 Modelle von den Herstellern angekündigt, darunter zahlreiche neue reine Elektrofahrzeuge (BEV), Brennstoffzellen-Fahrzeuge (FCEV), Erdgas- bzw. Biogasfahrzeuge (NGV) und Plug-in-Hybridfahrzeuge (PHEV). Bei den BEV planen die Hersteller der bereits jetzt schon stark vertretenen Marken, ihr Angebot noch auszubauen.

Marktanteil Hersteller Elektrofahrzeuge CH

Quellen: BFE, auto schweiz, Paul Scherrer Institut, TCS, electro suisse

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